Babygott und Menschenwürde

Kolumne vom 24. Dezember 2016
von Florian Flohr,
Theologe

Schutzlos, verletzlich liegt das Neugeborene da. Kein Held, kein Star, kein erfahrener und weiser Erwachsener, sondern ein Mensch ganz am Anfang, ohne Macht und Gewalt, aber von höchster Würde. Dieses weihnächtliche Gottes- und Menschenbild steht für eine anspruchsvolle Lebenshaltung.

Das Neugeborene muss nichts beweisen, nichts leisten, nichts vorweisen. Es ist einfach da und darauf angewiesen, dass Andere es wahrnehmen, wärmen, nähren, beschützen, lieben. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wird ihm von Anfang an die volle Menschenwürde zugesprochen. Nicht das Messbare und Monetäre zählt, sondern ein absoluter Wert. Das braucht starken Glauben.

Vieles spricht dagegen, dass alle Menschen von Anfang an dieselbe Würde haben. Schon immer wurde der Wert von Menschen nach ihrem Vermögen, ihrer Macht, ihrem Charisma oder gar nach ihrer Rasse oder ihrem Geschlecht beurteilt. Erst recht haben nicht alle Neugeborenen dieselben Lebenschancen. Ob der Geburtsort Luzern, Aleppo, Rio de Janeiro oder Dhaka heisst, ob die Eltern als harmonisches Paar oder in einer zerrüttete Beziehung leben, wie die Gesundheitsversorgung ist – all das prägt Lebensrichtungen und Wertmassstäbe von Anfang an.

Wer dagegenhält, wer jeden Menschen wertschätzt, wer besonders diejenigen auf der Schattenseite sieht, wer gleiche Chancen für alle und Würde auch für die Gescheiterten einfordert, der oder die hat es nicht einfach. Christsein baut auf diese Lebenshaltung. Dass es sich lohnt, so zu leben, kann niemand beweisen. Es braucht den Mut, es auszuprobieren, und die Solidarität derer, die diesen Weg teilen.

Wir können dem Bild vom Neugeborenen in unseren Herzen, Gedanken und Taten einen Platz geben. So erschliessen wir eine Quelle für den starken Glauben, den der Einsatz für die Menschenwürde braucht.


Das ganze Jahr über

Kolumne vom 23. Dezember 2016

Weihnachten ein Fest der Liebe, der Geborgenheit und der Wärme. Weihnachten ein Geschäft der Liebe, der Geborgenheit und der Wärme? Geschenke besorgen. Was soll ich wem schenken? Kaufen, bestellen; sind sie zufrieden? Ist es genug? Ist es gut? Werden sie enttäuscht sein? Scheisse ich habe ja gar keine Zeit für schöne Geschenke.

Geborgenheit soll sein, Wärme soll herrschen. Man schaut in den Kerzenschein und denkt ab und zu wie gut wir es haben, dass diese Kerze nicht explodiert und unsere Familie zerstört.

Liebe, Geborgenheit und Wärme kaufen?

Nicht möglich. Nicht wirklich. Nein, Weihnachten sollte kein Geschäft sein. Nicht von der Wirtschaft beherrscht werden. Weihnachten soll ein Fest der Liebe sein, der Wärme und der Geborgenheit.  

Weihnachten soll das ganze Jahr herrschen. Für alle.

Jedes Jahr macht unser Blauring eigene Kränze. Dann wird in jeder Gruppenstunde im November gekranzt. Zuerst mit Zeitung und danach in der letzten Woche auch noch mit Tannenzweigen. Die Kinder kommen in dieser Woche sogar mehrmals ins Blauring, damit alles pünktlich fertig wird und die Leiterinnen chrampfen am Freitag, vor dem ersten Advent, bis spät in die Nacht, so, dass sie am Wochenende dann die fertigen Kränze verkaufen können. Auch eine Challenge gibt es jedes Jahr: Wer hat die schwärzesten Hände von allen, vom Zeitungsfalten?

von Wilma Reber,
Blauringleiterin St. Paul Luzern

„Leben soll keine Straf sein“ (Brecht)

Kolumne vom 22. Dezember 2016

Viele Gefangene in der Schweiz haben keinen christlichen Hintergrund. Lichterketten und Weihnachtsbäume kennen sie schon. Aber Weihnachten feiern können oder wollen sie nicht. Anders sieht es unter denen aus, die vielleicht gerne feiern möchten: Trauer um die verlorene Kindheit kommt auf, Scham, die eigenen Kinder nicht beschenken zu können, Wut auf die Weihnachtsheuchelei ringsherum.

Was hat Gefangenschaft also mit Weihnachten zu tun?

Das Gefängnis ist über weite Strecken eine absurde Welt, auch wenn diese durch Recht und Gesetz reguliert wird. Menschen einzusperren, sie von anderen Menschen beobachten und bewachen zu lassen, ihre wichtigsten Beziehungen zu kappen, ihnen fast jeden Entscheidungsspielraum zu nehmen, sie im Ungewissen auch über die nächste Zukunft zu halten: das ist absurd. Offensichtlich leben wir in einer Welt, in der einer auf den anderen aufpasst, in der Menschen über andere verfügen, in der aus Männern und Frauen und neuerdings auch Kindern Gefangene werden können, also Abgesonderte, Verwaltete.

Die kaiserliche Steuerkontrolle, die Geburt im Elend, die Bedrohung des Lebens durch königliche Willkür, die unumgängliche Flucht: das sind Bilder, die uns die Augen für diese Welt öffnen können. So soll sie nicht sein und so war sie nie gemeint. Vielleicht ist es weniger das, was im Gefängnis geschieht, was es weihnächtlich werden lässt, sondern unser Blick auf das Gefangensein, das eigene und das fremde; die Art wie wir es sehen und verstehen.

von Hansueli Hauenstein,
Pfarrer, Gefängnisseelsorger

Der Moment

Kolumne vom 21. Dezember 2016

Die prägendste Erinnerung an Weihnachten liegt in meiner Kindheit, wohin ich Sie gerne entführen möchte: Da sind Bilder von der Stubentür und den Fenstern, welche mit Packpapier abgedeckt waren. Denn Mueti kannte uns Kinder genau und wusste, dass wir auf die Holzbeige unter dem Haus klettern würden, um verbotenerweise durch die Scheiben in die Stube zu spähen. Doch es war kein einziger, auch noch so schmaler Spalt zu entdecken. Und so lenkten wir uns beim Warten aufs Christkindli mit Schlitteln ab.

Kurz bevor die Spannung ins Unerträgliche stieg, sprich am späten Nachmittag von Heiligabend, wurde jeweils der Stalldienst zum Obligatorium. Denn so wusste Mueti einerseits, dass wir beschäftigt waren – anderseits wussten wir: Wenn die Stallarbeit getan war und Dädi als letzte Amtshandlung den Schalter der Stalllampe drehte, dann stand der Moment kurz bevor. Der Moment, wenn alle Arbeit getan war, sich die Nacht und mit ihr die Stille über das Tal gesenkt hatte. Wenn wir putzt und gstrählt versammelt vor der Stubentüre standen ‒ jetzt, wenn das helle Glöcklein erklang:

Mueti öffnete von innen die Stubentür und sogleich fiel ein goldener Schein in den Flur. Mit jedem Augenblick, mit dem sich die Tür öffnete, offenbarte sich mehr von diesem Licht und dann erblickten wir gemeinsam den liebevoll geschmückten Christbaum mit den Strohsternen und Kerzen. Je unerträglicher das Warten und die Geheimnisse waren, umso grösser die Seligkeit, wenn auf einmal alles da war: Das Licht, die Guetzli, die Mandarinen und erst die Geschenke …

Ich hoffe, dass es auch heute noch Eltern und Kinder gibt, welche die Spannung bis zum Schluss aushalten und dafür die besondere Freude empfinden, wenn er da ist: Der Moment, wenn sich die Stubentür öffnet.

von Theres Hirsiger,
Spitex-Mitarbeiterin

Zeit, Zeit, Zeit

Kolumne vom 20. Dezember 2016

30 Rollstühle stehen um die grosse Krippe im Schulhaus der Stiftung Rodtegg. Direktorin Luitgardis Sonderegger erzählt lebendig und farbig die Weihnachtsgeschichte von Maria. Das 10jährige Mädchen sieht während eines Adventssingens im Altersheim ihre demente Grossmutter nach langer Zeit wieder. Anfangs vermeidet sie den Kontakt; schliesslich sitzt sie doch neben ihr. So entsteht ein neue Beziehung zwischen den beiden.

Für die Kinder im Rodtegg steht an Weihnachten auch die Familie im Mittelpunkt. Die 12-jährige Selina* freut sich auf den Weihnachtsbaum und die Geschenke. „Unser Weihnachtsbaum ist ganz speziell, denn da ist ein echter Seestern dran“, erklärt sie mit leuchtenden Augen.

In einem Schulzimmer treffe ich Carsten* (18) und Jörg* (17). Für Carsten ist Weihnachten „die totale Entspanung“. Gutes Essen, „Aschenbrödel“ und „Sissi“ schauen, viel Zeit haben und das Geschenk geniessen – auf das freut er sich. Und das Geschenk kennt er schon: „Es wird wieder ein Comic sein, denn ich bin totaler Comic-Fan.“ Auch Jörg weiss schon, was sein Lieblingsweihnachtsgeschenk ist: eine Eintrittskarte zum Lachener Weihnachtszauber. „Vor allem die Sprüche zwischen der Musik gefallen mir“. Und spontan rezitiert er einen etwa fünfminütigen Text, der wunderbar in die Weihnachtszeit passt und von dem hier nur der Anfang wiedergegeben werden kann (in Übertragung auf schriftdeutsch):

Ich bin halt ein Clochard; und niemand weiss, warum ich so heiss. Ich bin gesund, ich habe Zeit, und brauche nicht mehr.
Etwas, das mich am meisten stört, ist das, was man am meisten hört:„Ich habe keine Zeit, ich kann nicht kommen, Ich habe keine Zeit, muss wieder gehen; ich habe keine Zeit, ein bisschen zu reden,“ so sagt oft jeder und jede...

Florian Flohr, dankbar für das tolle Adventserlebnis im Rodtegg

*Namen geändert

von Kindern und Jugendlichen,
Schule Stiftung Rodtegg

Hell und einfach

Kolumne vom 19. Dezember 2016

Meine Advents- und Weihnachtszeit lebt von Kindheitserinnerungen: die von Papi mit Lichtern dekorierte Tanne im Schnee, die vielen Sorten Weihnachtsguezli von Mami, Weihnachtslieder, Krippenfiguren, Kirchen- und Verwandtschaftsbesuche. Es war eine heile, aber einfache Welt. Geschenke waren meistens nützlich: der Klassiker für meine Geschwister und mich waren die rot gestreiften Calida-Ganzkörper-Pijamas oder Turnschuhe, manchmal aber auch neue Ski.

Die Rituale von damals pflegen wir - mit ein paar Anpassungen - in der Familie weiter. Das Kochen der einzelnen Menu-Gänge teilen wir uns auf. Und die Geschenke wollten wir als Erwachsene zuerst ganz abschaffen, vermissten dann aber die gemeinsame Neugierde und Freude unter dem Christbaum. Vor zwanzig Jahren haben wir zu einem Wichtelsystem gewechselt. Das reduziert den Kaufstress und man kann sich mit den Wünschen einer einzigen Person intensiver beschäftigen. Das wertvollste Geschenk ist Zeit füreinander: ein gemeinsamer Ausflug oder Mithilfe beim Frühlingsputz.

Dass Weihnachten so sehr ein Familienfest ist, macht mir manchmal auch ein wenig Angst. Was, wenn die Eltern mal ins Pflegeheim kommen? Oder wenn der geliebte Ehemann nicht mehr wäre? Würde ich dann die Erinnerungen mit Party oder einer Fernreise verdrängen? Kaum. Die weihnächtlich geschmückte Stadt und Zimtsterne schenken besinnliche Momente in der Hektik vor dem Jahresende und erinnern daran, dass die Mitmenschen wichtiger sind als alle materiellen Geschenke.

 

von Franziska Bitzi Staub,
Statdrätin

Mensch werden

Kolumne vom 18. Dezember 2016

Die Botschaft der Menschwerdung bedeutet für uns, dass wir selber füreinander Mensch werden und uns gegenseitig beistehen müssen. «Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.» Dieser Auftrag aus dem Matthäusevangelium ist für uns Christinnen und Christen nach wie vor eine rechte Herausforderung.

Die Menschen geben sich gerne der wohligen Festatmosphäre hin, um eine Pause vom Alltag zu machen. Das ist legitim, aber wenn die ursprüngliche Botschaft Jesu dabei ausgeklammert wird, geht etwas Wesentliches von Weihnachten verloren. Ich will nicht verallgemeinern, aber die Gefahr besteht, dass man sich in Form einer Idylle an den kleinen Jesus in die Krippe erinnert und Mitleid hat mit dem herzigen Baby, das schutzlos in die Welt kommt.

Meine Krippe für heute wäre sehr vielfältig. Die Leute von der Gasse gehören sicher dazu. Dann denke ich an alle Flüchtlinge. Jene, die übers Meer zu uns kommen, und die Abertausenden, die von Mittelamerika her in die USA gehen möchten. Und da höre ich einen Donald Trump, der drei Millionen sogenannte Illegale zurückschaffen will und am liebsten eine Mauer erreichten würde. Die Menschen, die an dieser Mauer stehen, kämen auch in meine Krippe. Und alle, die unter dem Existenzminimum leben. Aber es gehören nicht nur Randgruppen an die Krippe. Auch unter den normalen Bürgerinnen und Bürger gibt es Menschen, die mit einem riesigen Herz da sind und uns in der Randgruppenarbeit unterstützen. Ganz viele haben ein echtes Bedürfnis zu helfen. Denen müssen wir eine Chance geben, etwas zu bewirken. Das kann noch besser gelingen, wenn unsere kirchliche Arbeit im Dienst der Gemeinschaft glaubwürdig ist und noch weiter nach aussen strahlt und möglichst viele Menschen überzeugt.

Auszug aus einem Interview; vollständiger Text unter http://www.lukath.ch/blog/sepp-riedener-weihnachten-nicht-in-der-gemuetlichkeit-versinken-lassen/

von Sepp Riedener,
Gassenseelsorger

„Stille Nacht…“ - Hell oder dunkel, Tumult oder Besinnung?

Kolumne vom 17. Dezember 2016

Ehrlich gesagt, wandelt sich für mich das Thema Weihnachten je nach Alter und Phase der Familien-Entwicklung. Dieses Jahr ist es das erste Mal, dass die Kinder und Grosskinder nicht da sind an Weihnachten, sondern im Goms, auf Weltreise, bei sich zuhause oder kommen erst am Stephanstag.

Und draussen: Ob am Bahnhof, in der Altstadt oder an den Weihnachtsmärkten herrscht emsiges Treiben, um nicht zu sagen Hektik und Lärm. Gleichzeitig wird von besinnlicher Advents- und froher Weihnachtszeit geschrieben, gesprochen und gewünscht.

Da frage ich mich, was macht uns, Sie und mich denn froh?!

Froh im Sinne einer Grundbefindlichkeit, nicht nur eines kurzen Kicks – was könnte das sein? Etwas von aussen, ein nettes Wort, eine herzliche Begegnung oder ein Geschenk, das ich schon lange ersehnte?

Doch froh sein hat mit bei sich sein, mit sich zufrieden sein, mit unerklärlicher Freude zu tun – und die ist wohl eher innen, in uns selbst. Und ist dies ein fester Zustand? Ich glaube eher, es ist ein Resultat einer Inneren Auseinandersetzung zwischen laut und leise, zwischen nach aussen und nach innen gerichtet, zwischen drängenden Wünschen und ruhigem Warten, bis „meine Schale voll ist“. Froh sein könnte das Resultat meines mich Aushaltens sein, des freundlichen Umgangs mit mir selbst, mit meinen sich widersprechenden Impulsen.

So könnte „Stille Nacht…“ werden, die ausstrahlt in unsere Familien, in unsere Stadt, in die Welt.

von Joseph Bendel,
Psychotherapeut

Ein kostbares Geschenk

Kolumne vom 16. Dezember 2016

Es war der 24. Dezember 2000, ich war im achten Monat schwanger. Nach der Familien-Weihnachtsmesse kamen wir heim; ich wollte die Haustüre unten nochmals aufschliessen, da meine Pflegeschwester Astrid noch vorbeischauen wollte. Als ich die Treppe hinunterlief, passierte genau das, was ich nie wollte: Die Fruchtblase platzte. Mein Sohn Kilian freute sich sehr, dass er zum Nanni und zum Nenni durfte und dass er endlich sein Geschwisterchen bekommen würde. Auch meine Schwester Astrid freute sich sehr, als sie kam. Alle freuten sich – ausser mir. Ich war so traurig, dass ich weinte.

Am 25. Dezember um 00:46 Uhr kam unsere Tochter Salome zur Welt. Sie hatte grosses Glück. Die Nabelschnur war einmal um den Hals und zweimal um den Bauch gewickelt. Ich war einfach nur noch dankbar und glücklich für meine kleine Tochter. Der Kinderarzt gratulierte mir zwei Tage später zu einem gesunden Kind.

Fünf Tage später kam der erste Schreck: Sie trank nicht an der Brust. Eine Stillberaterin erkannte, dass sie eine Gaumenspalte hatte. Der zweite Schreck kam zwei Wochen später nach der Untersuchung beim Hausarzt: Die Hüfte sah sehr schlecht aus und Salome hatte auch schlechte Herzgeräusche. Am 15. Januar musste sie ins Spital. Nach einem MRI fand man heraus, dass Salome mehrere Geburtsgebrechen hatte – sie musste drei Monate im Kinderspital bleiben.

Jetzt wird meine Tochter 16 Jahre alt und geht in eine Behindertenschule. Durch meine Tochter und meinen Sohn habe ich sehr viel gelernt: Wegen Salomes Behinderungen habe ich eine Ausbildung zur Fachfrau Gesundheit gemacht – mein Sohn hat mich die Gelassenheit gelehrt. Er hat sich all die Jahre nie beklagt. Im Gegenteil: Er hat sich immer grosse Sorgen gemacht um seine kleine Schwester. Das ist heute noch so. Sie haben eine sehr innige Beziehung. Ein grösseres und kostbareres Geschenk auf Erden gibt es nicht.

von Silvia Schälin,
Spitex-Mitarbeiterin

Ein Tag wie jeder andere?

Kolumne vom 15. Dezember 2016

Weihnachten scheint bei den Kunden der Sexarbeiterinnen ein Tag wie jeder andere zu sein. „Nichts Besonderes“ merken sie an diesem Abend bei ihrer Arbeit und bei den Männern, sagen Elisa und Nora (Namen geändert) übereinstimmend.

Sie selbst denken natürlich viel an ihre Familien. Weihnachten ist für sie ein Familienfest mit vielen Erinnerungen. „Am 24.Dezember gibt es kein Fleisch zu essen. Um Mitternacht geht die ganze Familie in die Kirche. Wir stellen Kerzen auf die Gräber der Angehörigen. Am 25. Dezember gibt es ein spezielles Essen, es ist in Weinblätter eingerollt. Mir hat Weihnachten immer sehr gut gefallen“, erzählt Elisa. Auch Nora erinnert sich vor allem an das gemütliche Beisammensein bei einem guten Essen und festliche Gottesdienste. „Es war schön, dass meine Grosseltern immer dabei waren.“

Heute geht Nora an Weihnachten zusammen mit Kolleginnen und Kollegen jeweils gut essen. „In die Kirche gehe ich nicht, denn da verstehe ich nichts“, meint sie. Sie findet Weihnachten besonders für die Kinder und die Familien wichtig. Elisa freut sich darauf, nach Weihnachten ihre eigene Familie treffen zu können. „Diese Tradition möchte ich gerne weiter pflegen.“

Beide Frauen kennen zwar den religiösen Ursprung von Weihnachten. „Da ist doch Jesus geboren.“ Aber ihre Gedanken kreisen mehr um ihre eigenen Familien und den Zusammenhalt, den sie trotz ihrer oft schwierigen Lebensumstände und ihre oft geächteten Berufs wichtig finden und aufrechterhalten wollen.

Gesprächsaufzeichnung: Ute Straub, LISA Luzerner Verein für die Interessen der Sexarbeitenden

 

von Elisa und Nora,
Sexarbeiterinnen

Der Lebensgeschichte entlang

Kolumne vom 14. Dezember 2016

Weihnachten habe ich im Laufe meines Lebens schon sehr unterschiedlich erlebt. Ich finde es auch gut, dass Weihnachten nicht nur als Fest in der Kernfamilie etikettiert wird. Natürlich ist auch mein Bild vom Fest zuerst geprägt von der katholischen Familie, in der ich aufgewachsen bin. Aber vom 16. Lebensjahr an habe ich Weihnachten nicht mehr nur zu Hause, sondern auch in ganz verschiedenen Zusammensetzungen, im Freundeskreis oder in spontanen Gemeinschaften gefeiert. Darin steckte auch der Protest gegen eine Weltsicht, die das Heil allein in der kleinen Familie zu finden meint. Zugleich habe ich mich gegen die Überbetonung des „Frohen“ und „Fröhlichen“ gewehrt. Damit werden so hohe Erwartungen genährt, dass alle, denen es nicht so gut geht oder die keinen Familienzusammenhang haben, sich noch mehr ins Abseits gedrängt fühlen.

Als ich eigene Kinder bekam, haben mein Mann und ich die Weihnachtsfeier nach den Bedürfnissen und Wünschen der Kinder ausgerichtet. So sah das Familienfest am 24. Dezember immer etwas anders aus: mal länger und mit Gesang, mal kürzer mit anschliessendem Gottesdienstbesuch oder anschliessendem Ausgang der Kinder... Vielleicht deshalb schätzen auch die erwachsenen gewordenen Kinder diesen Abend bis heute. Nur einmal habe ich mein Veto eingelegt: als eins der Kinder vorschlug, draussen elektrische Lichterketten anzubringen.

Heute kann ich den Worten „froh“ und „fröhlich“ wieder sehr viel abgewinnen. Sie dürfen einfach nicht kitschig oder als Übertünchung des Schwierigen und Bösen in der Welt gebraucht werden. Ich verstehe die Weihnachtsstimmung als etwas wirklich Frohes, wenn sie die Menschen erleichtert, entlastet und Zuversicht stiftet. Das kann und muss nicht immer gleich intensiv gelingen. Auf jeden Fall sollte etwas vom Licht und vom Neubeginn spürbar werden, die von diesem Neugeborenen in Nazareth ausgehen.

von Yvonne Schärli,
alt Regierungsrätin

Ja

Kolumne vom 13. Dezember 2016

Ja, ich mag die allgegenwärtige Weihnachtsbeleuchtung, auch wenn sie mir ab und zu übertrieben scheint.

Ja,  die üppigen Schaufensterdekorationen zum Fest stören mich nicht, auch wenn sie meist viel zu früh aufgebaut werden.

Ja, sie sind schön, die Weihnachtsmärkte, auch wenn sich ihre Auslagen Jahr für Jahr gleichen.

Ja, ich weiche ihm aus, dem oft erdrückenden Weihnachtsrummel in den Warenhäusern.  Doch stört es mich nicht, wenn andere sich darüber freuen können.

Ja, süssliche Weihnachtsmusik gehört absolut nicht zu meinen Favoriten. Doch wenn Menschen selig sind dabei, gönne ich es ihnen von Herzen.

Ja, auch ich träume von einer weissen Weihnacht. Meist vergeblich. Wäre das Fest doch erst recht stimmungsvoll.

Ja, ich liebe meine Arbeit in der Kirchgemeinde, besonders zur Weihnachtszeit, auch wenn sie scheinbar immer gleich und meist übermässig ist.

Ja, ich freue mich über das Fest in der Familie an Heilig Abend, auch wenn es rückblickend betrachtet schwierige Momente gab, die sich nicht unbedingt wiederholen müssen.

Ja, vor allem bin ich glücklich über das Kind in der Krippe. Alle Jahre neu. Ohne seine Gegenwart wäre alle Festlichkeit leer und sinnlos für mich.

JA,  dieses Kind hat es mich sprechen gelehrt. Gerade zu Dingen, die mir eigentlich fremd sind und Mühe bereiten.

JA, in diesem Kind wird GOTT Mensch. Und dieses Menschlein kann meines Erachtens nicht gross und vielfältig genug gedacht werden.

von Yvonne Lehmann,
Sozialdiakonin Lukasgemeinde

Licht und Hoffnung

Kolumne vom 12. Dezember 2016

Ich kann Weihnachten nicht denken ohne Bezug zu nehmen auf meine frühen Kindheitserfahrungen: Da war das grosse das Glück in einer Familie aufgewachsen zu sein, die an Weihnachten die Geburt Jesu gefeiert hat. Da war das sinnliche Erlebnis Kerzen anzuzünden, Wärme zu erfahren und Zusammengehörigkeit zu spüren.

Diese Erfahrungen habe ich mitgenommen und ich verwende dieses Glück, um es weiter zu tragen in meine Familie und zu all den Menschen, die ich erreichen kann. Weihnachten verkörpert aber auch die Botschaft des Lichts und der Hoffnung.

Bei Caritas erlebe ich alltäglich wie bedeutsam Hoffnung und Licht für Millionen von Menschen in dieser Welt sind. Armutsbetroffene sind an Weihnachten oft mit der bitteren Erfahrung konfrontiert, dass sie an den Rand gedrängt sind. Sie bekommen ihre Armut zu spüren. Und da sind jene Menschen, die ohne Wärme und Zuneigung auskommen müssen, oder die auf der Flucht sind, und nicht wissen, wo sie unterkommen und eine Zukunft haben werden. Diesen Menschen die Hand zu reichen, ihnen zuzuhören und Aufmerksamkeit zu schenken, das ist Hoffnung, die sich anfühlt und Perspektiven öffnen kann.

Das weihnachtliche Licht kann aber auch Herausforderung sein. Denn es erhellt dunkle Räume und macht Dinge sichtbar, die wir vielleicht lieber nicht sehen wollen: etwa die Dominanz des Konsumismus, die Kälte der Asylverweigerung oder die Fremdenfeindlichkeit. Weihnachten gibt uns Kraft, Weihnachten nimmt uns aber auch in die Pflicht.

von Hugo Fasel,
Direktor Caritas Schweiz

Weihnachtslieder sind mehr als Nostalgie

Kolumne vom 11. Dezember 2016

Ich kann mir fast nicht vorstellen, Weihnachten ohne Familie, ohne meine Geschwistern und ihre Lieben, zu verbringen. Die meisten von uns gehören inzwischen zur älteren Garde. Dennoch - oder vielleicht gerade deswegen - ist uns die weihnächtliche Tradition sehr wichtig. Unbedingt dazu gehört das Singen der im familieneigenen Weihnachtsliederheft gesammelten Lieder. Das dauert jeweils bis die Weihnachtkerzen herunter gebrannt sind.

Bei fast jedem Lied wird dessen besondere Bedeutung kommentiert. „Süsser die Glocken“, das Lieblingslied unserer verstorbenen Mutter, singen wir extra für sie. Für meine Schwester, die in den USA lebt, „Tochter Zion“, für Daddy „Oh du fröhliche“ und meine Firmgotte „Herbei oh ihr Gläub‘gen“. Eine andere Schwester mag die alte Version von „Oh Jesulein zart“ ganz besonders. Via Skype singen wir mit den russischen Grossnichten „Noch bi Ochs ond Esali“.

Für mich hat das Weihnachtslied „drüü Ängali“ eine ganz besondere Bedeutung. Als ich noch ein Kind war, starb mein Bruder an einem 23. Dezember. In der dritten Strophe dieses Liedes heisst es „S' wird heiter öber jedem Grab, die Chranke werded gsond“. Als Kind habe ich mir dann immer vorgestellt, dass mein Bruder jetzt, in der Weihnachtsnacht, im Grab nicht frieren und keine Angst vor dem Dunkeln haben muss. Diese Vorstellung war für mich so wichtig und tröstlich, dass ich auch heute noch bei diesem Lied unweigerlich an meinen Bruder denke, mehr als 50 Jahre nach seinem Tod.

So hat das Singen der Weihnachtslieder nicht bloss eine nostalgische oder musikalische Bedeutung. Mit den Liedern stärken wir Verbindungen: unter uns Anwesenden unter dem Weihnachtsbaum und mit jenen, die nicht oder nicht mehr unter uns sind.

von Luitgardis Sonderegger-Müller,
Direktorin Stiftung Rodtegg

Sieben Tage Weihnachten

Kolumne vom 10. Dezember 2016

In meiner Heimat Tibet ist das grösste Fest „Losar“ (Neujahr). Vieles dabei erinnert mich an Weihnachten. Im Tempel brennen zum Beispiel sehr viele Öllampen, wir beschenken uns gegenseitig und verbringen viel Zeit miteinander in der Familie. Das Ganze geht sieben Tage lang, vorher werden die Häuser neu gestrichen, wir bekommen neue Kleider, und wir versuchen Streit beizulegen. Die Eltern erzählen den Kindern Geschichten von Buddha, und wir gehen zusammen in den Tempel. Sonst ist das Leben von Bauern in Tibet sehr hart, es gibt sehr viel Arbeit, aber diese sieben Tage nehmen wir uns und geniessen es. Mit den Lichtern und allen anderen Symbolen wünschen wir uns gegenseitig Glück.

Als ich vor vier Jahren in die Schweiz kam, fand ich Weihnachten sensationell. Es erinnerte mich an Losar. Nur, dass ausser dem Licht in den Kirchen auch viele Strassen und Schaufenster beleuchtet sind. Das gefällt mir sehr. Deshalb feiere ich mit meinem Kollegen auch Weihnachten. Ich dekoriere mein Zimmer, spraye eine Samichlaus-Figur ans Fenster und wir machen ein gutes Essen. Dann laufen wir gerne durch die Stadt und schauen die Lichter an, auf der Kapellbrücke und der Seebrücke – und den Sternenhimmel...

Natürlich ist es auch traurig, weil ich nicht mit meiner Familie feiern kann. Das ist auch mein grösster Wunsch, dass ich wieder mit der Familie zusammenkomme, entweder im Tibet oder hier. Auf jeden Fall werde ich die guten Erinnerungen an Weihnachten behalten. Es ist gut, dass die Geburt von Jesus gefeiert wird, denn die Welt braucht viel Liebe. Heute würde Jesus wohl unter den Armen in Nepal, Indien oder Tibet geboren.

von N. N.,
Sans-Papiers aus Tibet

Chanukka und Weihnachten

Kolumne vom 09. Dezember 2016

Was bedeutet mir Weihnachten? Weihnachten bedeutet für mich Wärme und Nähe und es symbolisiert für mich auch Familie. Jedes Jahr freue ich mich auf Weihnachten, weil es eine Möglichkeit ist, mit der Familie zusammenzukommen, gemeinsam zu essen, zu reden, zu lachen und eine gute Zeit zu verbringen.

 

In meinem Fall ist das Feiern von Weihnachten vielleicht deshalb besonders, da ich Jüdin bin. Mein Vater ist Christ, meine Mutter hingegen Jüdin – und nach jüdischer Tradition gibt die Mutter die Religion an ihre Kinder weiter. So wurden meine Geschwister und ich jüdisch erzogen. Weshalb Weihnachten trotzdem wichtig ist für mich? Aus den oben genannten Gründen: Traditionen, Feiertage und Rituale verbinde ich mit Familie. Und Familie wiederum symbolisiert für mich Wärme, Freude und Liebe. Genau so, wie ich die jüdischen Feiertage mit Freude feiere, bringe ich viel Enthusiasmus für die christlichen Feiertage dar.

Chanukka, das jüdische Lichterfest, findet jeweils immer um Weihnachten herum statt. Dieses Jahr trifft es sich sogar, dass der erste Chanukka-Abend auf den Weihnachtsabend fällt. Ich finde das eine tolle Möglichkeit, um die christlich-jüdische Tradition miteinander zu verbinden – gerade auch deshalb, da an Weihnachten die Geburt Jesu’ gefeiert wird, der seinerseits wiederum jüdisch war.

Und so werde ich auch dieses Jahr wieder voller Freude einen Weihnachtsbaum schmücken, Chanukka-Kerzen anzünden und die kalte Winterzeit mit der Familie erwärmen.

von Tamar Krieger,
Religionslehrerin

Gemeinsam in Erwartung

Kolumne vom 08. Dezember 2016

Seit wir unsere vierjährige Tochter haben und wir uns mit ihr zusammen auf Weihnachten vorbereiten, erlebe ich die Advents-und Weihnachtszeit wieder ganz neu. Es beginnt mit dem Binden des Adventskranzes vor dem ersten Advent. Wann hatte ich das Letzte mal selber einen Adventskranz gebunden? Vermutlich in meinen Kindertagen, erinnern kann ich mich jedoch nicht daran. Seit dem ersten Advent zählen wir nun die Tage bis Weihnachten. Das Anzünden der Kerzen, das Öffnen des Türchens am Adventskalender und das Erzählen von Weihnachtsgeschichten am Abend sind zu einem täglichen Ritual geworden. Mit jedem Tag rücken wir Weihnachten etwas näher.

Doch auf was warten wir eigentlich? Auf die Geschenke? Auf ein feines Weihnachtsessen? Auf einige freie Tage zusammen mit der Familie? Nein, Weihnachten und die Adventszeit sind für mich viel mehr als diese, ebenfalls schönen, Nebensächlichkeiten. Ich nehme mir bewusst Zeit für mich, meine Liebsten und die Mitmenschen. Dadurch komme ich zur Ruhe und Besinnung.

Wir feiern die Geburt des Christkindes, das vor 2000 Jahren in Betlehem in unsere Welt gekommen ist. Die Botschaft, dass dieses Kind den Menschen Frieden und Erlösung bringt, schenkt gerade in der heutigen Zeit, in der die Welt von Krieg, Hunger und Elend gezeichnet ist, Hoffnung und Zuversicht. Wir alle sehnen uns nach Frieden und Erlösung. Die Advents- und Weihnachtszeit gibt mir jedes Jahr wieder die Kraft, nicht in Ohnmacht und Resignation zu verfallen, sondern mit viel Optimismus die Zukunft mitzugestalten.

So bin ich auch dieses Jahr in Erwartung, alle Fragen unserer Tochter zum Weihnachtsgeschehen geduldig zu beantworten und mich dadurch selber wieder neu auf Weihnachten einzulassen.

von Claudia Corbino,
Jugendarbeiterin

Die Weihnachtslosen

Kolumne vom 07. Dezember 2016

Die Weihnachtszeit gibt es für mich erst seit 25 Jahren. Ab dann nämlich, seit ich in die Schweiz eingereist bin. Ich kann mich erinnern, dass die Weihnachtsbeleuchtung an meinem neuen Wohnort in Sursee mich fasziniert, aber auch überfordert hat. Im kleinen Dorf in Kosovo, wo ich aufgewachsen bin, waren die Winter einfach kalt und stockdunkel, da oftmals der Strom ausfiel. Für Weihnachtsstimmung im Wohnzimmer sorgte in den nächsten Jahren aber der kleine geschmückte Plastik-Tannenbaum, den meine Eltern jedes Jahr aus dem Keller holten und aufstellten. Für sie war diese Dekoration ein Zeichen für den bevorstehenden Jahreswechsel, für mich war es einfach ein Weihnachtsbaum. Nur dass die sehnsüchtig erwarteten Geschenke am Weihnachtstag fehlten...

An Weihnachten gefällt mir heute nur eines nicht: der Geschenk- und Konsumwahnsinn. Da finde ich es beruhigend, dass ich dies als Muslimin „von Amtes wegen“ (oder mit Gottes Segen) nicht mitmachen muss. Mit Weihnachten verbinde ich Gemeinschaft, Familie und Zeit füreinander und ich nutze die Weihnachtstage gerne, um Familie und Freunde zu treffen. Vor ein paar Jahren hat ein Kollege „Muslim-Weihnachten“ im privaten Umfeld initiiert. Da treffen sich am 24. Dezember all diejenigen „Weihnachtslosen“ – Atheisten und Andersgläubige sind auch dabei – zu einem feinen Znacht, um über Gott und die Welt zu philosophieren.

Inzwischen erhalte ich an Weihnachten fast unfreiwillig doch noch ein Geschenk von meinen Eltern. Mein Vater arbeitet in einer Getränkefabrik und erhält jedes Jahr Wein geschenkt, die er an die Tochter weitergibt. Proscht!

von Ylfete Fanaj,
SP-Kantonsrätin

Das freut den Samichalus

Kolumne vom 06. Dezember 2016

Seit vielen Jahren darf ich Kinder im Maihofquartier besuchen. Auch heuer haben mich über 100 Familien zu sich eingeladen. Bald ist es soweit! Wenn ich in die Wohnungen trete, spüre ich sofort, wie sehr die Kinder meinen Besuch herbeigesehnt haben! Die Freude ist beidseitig – die Anspannung auch.

Denn als Samichlaus weiss ich unwahrscheinlich viel über Kinder und Erwachsene. Es wird von mir erwartet, dass ich mein Wissen teile. Alle wollen erfahren, ob der Samichlaus bemerkt hat, was sie gut gemacht haben. Das andere weiss er sowieso. Der Respekt vor dem Samichlaus ist gross, auch im Maihof, wo ich ohne Schmutzli unterwegs bin.

Begleitet werde ich von Mädchen und Buben der Pfadi. Als Trychler und Geisslechlöpfer verkünden sie laut vernehmbar, dass der Samichlaus unterwegs ist. Als Zwerge verkleidet begleiten sie mich zu den Familien, tragen die Geschenke zu den Kindern, leuchten den Weg. Ehemalige Pfadis sorgen für stimmungsvolle Momente auf dem Kirchenplatz, bevor ich zu den Familien aufbreche. Zudem erledigen sie die Briefpost für mich, was ich besonders angenehm finde.

Wie alle bin auch ich auf Unterstützung von anderen angewiesen. Im Maihof und den übrigen Pfarreien sind jahraus jahrein neben der Pfadi viele andere Organisationen aktiv für den Zusammenhalt im Quartier tätig. Das ist etwas, das dem Samichlaus niemals entgeht. Darum spreche ich hier das Lob allen Ehrenamtlichen aus: «Das freut den Samichlaus. Macht weiter so!»

von Samichlaus vom Maihof,

Persönliche Schwingungen

Kolumne vom 05. Dezember 2016

Weihnachten beginnt für mich schon sehr früh. Ich bin meistens schneller als jegliches Schaufenster von Pfister und Co. Natürlich nicht aktiv, aber im Kopf ist schon einiges los. Der Dezember ist für mich eben der schönste Monat des Jahres. Es ist, als ob ich wieder in die Welt des Kindes eintauchen könnte. Deswegen bedeutet mir die Zeit vor Weihnachten wie auch jene danach sehr viel. Ich habe schon seit langem das Ritual, dass ich im Monat Dezember keine Abmachungen oder Einladungen annehme. Ich will Zeit für mich persönlich haben und für Besonderes wie zum Beispiel Rorategottesdienst gehen , Geschichten lesen, 1 Million Lichter bestaunen, Tee trinken, Briefe schreiben, Adventfenster im Luzerner Theater besuchen und so weiter.

Das Fest selber sollte einen speziellen Rahmen haben. Nichts Aussergewöhnliches nein, aber auch nicht nur ein simples gemeinsames Essen. Geschenke haben wir schon lange abgeschafft. Wir umrahmen die Tafelrunde mit der Weihnachtsgeschichte, Liedern und schöner Atmosphäre. Natürlich gelingt es nicht immer. Ich kann mich erinnern, dass es auch schon vorkam, dass eine gewisse Enttäuschung im Nachhinein spürbar war. Ich weiss gar nicht mehr genau weshalb es dazu kam. Wahrscheinlich waren es persönliche Schwingungen, welche die Feststimmung nicht auf Hochtouren brachten. Da komme ich wieder zum Anfang. Was spielt sich alles im Kopf ab? Welche Erwartungen knüpfe ich an diese Tage? Vielleicht ist das der Schlüssel. So oder so – Ich liebe dich Weihnachten!

von Karin Vannay,
Sozialarbeiterin, Fachstelle Kinderbetreuung

Als Kind im Mittelpunkt der Grossfamilie

Kolumne vom 04. Dezember 2016

Mutter, Grossmutter, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins – diese grosse Runde von ungefähr 15 Personen war für mich als Kind das eigentliche Weihnachtserlebnis. Die Feier im grossen Kreis fand in meinem deutschen Herkunftsort Unna statt. Da meine Mutter jeweils bis am 24. Dezember nachmittags arbeiten musste, fuhren wir mit dem Nachtzug dorthin. Die Verwandten warteten extra mit der Bescherung auf uns. Es war eine schöne, lebendige Stimmung um den Weihnachtsbaum und die Krippe. Die Hintergrundmusik der James-Last-Platten mit Weihnachtsmelodien habe ich heute noch im Ohr. Und die Fotoalben von damals schaue ich immer noch gerne an.

Als einziges kleineres Kind in der Runde ging es mir natürlich besonders gut. Ich bekam tolle Geschenke, und alle kümmerten sich um mich. Einmal war es ein riesiges Lebkuchenhaus, an dem wir noch bis zum Sommer assen... Die Erfahrung der Liebe und Wertschätzung, die ich mit dieser Weihnachtserinnerung verbinde, mag ich jedem Kind gönnen.

Seit meiner Jugendzeit ist mir das Feiern im grossen Kreis nicht mehr so wichtig. Die Weihnachtszeit mit alle den Lichtern und vollen Schaufenstern kann ich trotzdem geniessen. Zwar empfinde ich vieles als Kitsch, aber ich weiss zugleich, dass die Menschen, die an Weihnachten „den Blues haben“, das heisst deprimiert, einsam und traurig sind, in unserer Stadt einen Platz finden – zum Beispiel in der Gassenküche. Ich verbringe den Heiligen Abend mit meiner Mutter – das stimmt für mich.

von Thomas N.,
Schriftsteller

Weihnachten der Gegensätze

Kolumne vom 03. Dezember 2016

In den Advents- und Weihnachtstagen haben die meisten Menschen das Bedürfnis nach innerer Einkehr und geselligem Zusammensein zugleich. Dessen ungeachtet jagen wir Geschenken nach, hetzen von Weihnachtsapéro zu Jahresschlussessen.

Mir geht es dabei ab und zu nicht anders als anderen Menschen. Man tut das Eine und möchte doch das Andere. Vielleicht geht es Ihnen wie mir, manchmal möchte man der ganzen Weihnachtszeit und dem Rummel davon laufen. Seit wenigen Wochen bin ich Stadtpräsident von Luzern. An mich – oder viel mehr an mein Amt – werden hohe Ansprüche gestellt. So wie unser persönliches Verhalten zu Weihnachten bisweilen zu unvereinbaren Widersprüchen führt, so stehen sich öffentliche Ansprüche gelegentlich unauflöslich gegenüber. In jedem Bereich des öffentlichen Lebens gibt es Menschen, die just hier die staatlichen Aufgaben reduzieren möchten, während andere ausgerechnet in diesem Bereich ein resolutes Aktivwerden der Stadt verlangen.

In den Weihnachtstagen werden uns Gegensätzlichkeiten und Widersprüche plastisch vor Augen geführt. Die Flut an Geschenken kontrastiert mit der persönlichen und finanziellen Not anderer. Projekte wie „2 x Weihnachten“ des Roten Kreuzes ermöglicht uns, den Überfluss mit jenen Bedürftigen zu teilen, denen es am Grundlegendsten mangelt.

Ich habe zum Weihnachtsfest ein ambivalentes Verhältnis, wie es wahrscheinlich viele haben. Die Sehnsucht nach herzlicher Gemeinschaft teile ich selbstverständlich, der kommerziellen Betriebsamkeit hingegen versuche ich möglichst zu entgehen.

von Beat Züsli,
Stadtpräsident

Gegen die Kälte in der Welt

Kolumne vom 02. Dezember 2016

Weihnachten war für mich als Kind eine sehr schöne und mystische Zeit, verbunden mit kirchlichen Riten wie Krippenspiel und Chor-Singen. Immer weisse Weihnacht, sanfte Beleuchtung an den Bäumen und Häusern, unaufdringlich. Die Zeit schien stehenzubleiben. Spiritualität lag in der Luft. Die Familie war froh, das Fest zu zelebrieren, oft über mehrere Tage, an denen Verwandte und Bekannte zu Besuch kamen. Es war auch eine spannende Zeit, unter anderem als wir im Wohnquartier, wenn es dunkel war, den Schmutzli jagten, oder ich mutmasste was die „Päckli“ unter dem Weihnachtsbaum beinhalten würden. Es wurde gesungen, Musik gespielt und vorzüglich gegessen.

Heute verbringe ich Weihnachten im engen Familienkreis, gemütlich, auf dem Lande. In meinem Beruf gehören diese Tage zur unterrichtsfreien Zeit, da geniesse ich die Ruhe. In der Stadt erfahre ich, besonders in der Weihnachtszeit, keinerlei Spiritualität. Der Verkaufs- und Kaufdrang ist grotesk, so dass ich mich keinesfalls da aufhalten möchte.

Besonders in den Tagen um Weihnachten wird mir alle Jahre wieder bewusst, dass der Mensch es immer noch nicht geschafft hat, das Leben weltweit für alle lebenswert einzurichten. Überall dort wo Ungerechtigkeit stattfindet oder geplant wird; wird die Kälte gegenwärtig, die in der Weihnachtsgeschichte auch zu spüren ist: Zum Beispiel auch hierzulande, wo gewisse Leute das Sparen an der Bildung für opportun halten. Weihnachten wäre eine Zeit der Entspannung und Kontemplation. Das müsste die Zeit sein, umzudenken und reif zu handeln. Weihnachten als materialistische und gewinnbringende Einrichtung könnte man abschaffen. Besinnliche Weihnacht hingegen finde ich gut.

von John Voirol,
Jazzmusiker und Dozent

Nicht digital, sondern real

Kolumne vom 01. Dezember 2016

Gott wird Mensch. Das ist mehr als Adventsgebäck, schneebedeckte Tannen und bunte Kugeln. Mehr als aufwendige Beleuchtungen und bekannte Melodien … Die Liste an Dingen, die uns auf Weihnachten einstimmen sollen, lässt sich beliebig fortsetzen. Die Kaufhäuser versuchen, uns seit September damit anzulocken. Den Höhepunkt erreicht das Spektakel im Dezember. Hie und da erinnern Krippen an die Kernbotschaft des Fests, an die Geburt Jesu Christi.

Wie wäre es, wenn Jesus heute zur Welt käme? Würden wir, wie die Hirten damals, alles stehen und liegen lassen, um das Kind zu besuchen? Würden viele nicht lieber ein SMS oder eine Whatsapp-Nachricht an Maria und Josef schicken oder die Geburt Christi auf Facebook «liken» und mit einem «Gefällt mir» kommentieren?

Es lohnt sich, neben dem Christkind in der Krippe auch einen Blick auf die Schar der Protagonisten darum herum zu werfen. Ob Tier oder Mensch, alle sind sie real anwesend. Gerade deshalb sind sie von der Begegnung ergriffen. Ihre Zeit scheint in diesem freudvollen Moment stillzustehen. Gerade die Hirten bestärken mich, dem menschgewordenen Gottessohn immer wieder neu und bewusst zu begegnen – nicht nur an Weihnachten. Ich möchte ein Protagonist an der Krippe werden. Nicht digital, sondern real: in einem Gottesdienst, in einem Gespräch oder einem Moment des persönlichen Innehaltens.

von Felix Gmür,
Bischof von Basel

Was sich dort verbirgt?

Kolumne vom 30. November 2016

Es geht gegen Weihnachten. Wir fünf Kinder spüren die Aufregung und die Freude. Jeden Abend werden die Kerzen des Adventskranzes angezündet und so viele Vaterunser gebetet, wie Kerzen brennen. Und eines extra für Papi, damit er gesund bleibt, weil er doch so oft mit dem Auto unterwegs ist.

Alles wäre so feierlich, wäre da nicht die Glastüre zur Stube, welche seit gefühlten zehn Wochen mit einem Tuch von innen verhängt ist. Keine Chance auch nur den kleinsten Blick in den Raum werfen zu können. Dabei wird sich doch dort am 24. Dezember das grosse Wunder ereignen: Das Christkindli wird mit dem geschmückten Baum und allen Geschenken durch’s geschlossene Fenster fliegen. Wie schafft es das bloss? Davon müsste man doch etwas mitkriegen, nur ein kleines Bisschen, bitte.

Aber da gibt es die strikte Regel: Am Heiligen Abend sitzen wir wie immer im oberen Stock um den Adventskranz versammelt. Es werden fünf Vaterunser gebetet, der Papi liest uns die Weihnachtsgeschichte vor. Gerade dann, wenn die heilige Familie nach Ägypten fliehen muss, passiert es: Das Christkindli bimmelt mit dem Glöckchen und wir rennen los. Da steht es nun, das Bäumchen, wunderbar geschmückt, die Kerzen brennen, die Geschenke sind wunderbar drapiert. Das Wunder ist wieder passiert. Nur: Vom Christkindli wieder keine Spur. Doch einmal, ein einziges Mal gelingt es der grossen Schwester. Sie sieht gerade noch ein Zipfelchen von einem weissen Hemdchen über das Balkongeländer entschwinden. Glückskind!

Dass die Nachbarin, welche das Tuch entfernt und die Kerzen angezündet hat, profan durch die Wohnungstür entschwunden ist, interessierte niemanden von uns.

von Lisa Bachmann,
Theaterfrau

Weihnachten beginnt im Januar

Kolumne vom 29. November 2016

Gerne erinnere ich mich an die Vor- und Weihnachtszeit als Kind zurück. Der 8. Dezember war immer fürs Guetzle reserviert. Aber bereits in den Tagen davor und auch danach, hat meine Mutter unzählige Sorten Guetzli gebacken und ich durfte ihr dabei immer helfen. Nicht nur gut sollten sie sein, nein vor allem auch schön. Für Weihnachten hat sich meine Mutter immer ein besonders schönes Menü ausgedacht und hat dieses dann am Heiligabend mit viel Herzblut und Hingabe serviert. Unser Wohnzimmer war ab dem 23. Dezember immer verschlossen, denn schliesslich musste das Christkind dort seine Arbeiten erledigen! Entsprechend gross war dann immer die Spannung, bis wir nach dem Essen endlich den mit schönen Kugeln und Kerzen geschmückten Baum bestaunen durften.

Nach der Bescherung haben wir die Mitternachtsmesse in Malters besucht, welche mit dem Orchester und dem Kirchenchor immer sehr schön und feierlich war. Soviel ich weiss, soll dies auch heute noch so sein.

Heute und seit vielen Jahren beschäftigt mich Weihnachten aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit als Inhaberin der Herzog Kerzen AG über das ganze Jahr. Kaum ist Weihnachten vorbei, die schönen Dekorationen weggeräumt, begebe ich mich Ende Januar bereits auf den Weihnachtseinkauf nach Frankfurt für die bevorstehende Weihnacht. Dort bestellen wir Dekorationsartikel, Weihnachtskugeln, Sterne und, und, und, welche unsere in Sursee produzierten Kerzen begleiten und ergänzen werden. Auf dieser Messe lassen wir uns mit Ideen inspirieren und erarbeiten bereits das Farbkonzept für nächste Weihnachten. Bereits ab April werden bei uns Kerzen für Weihnachten produziert, zum einen für unsere Wiederverkauf Kunden aber auch für unsere hauseigene Boutique. Ab September dreht sich mit den Vorbereitungen für unsere Weihnachtsausstellung alles um Weihnachten.

Weihnachten abschaffen? Auf keinen Fall, was würde ich denn das ganze Jahr machen!

von Monika Felder-Brunner,
Inhaberin und Geschäftsführerin Herzog Kerzen AG

Muss das Christkind in unserer Welt frieren?

Kolumne vom 28. November 2016

Augenfällig lernten wir fünf Kinder zu Hause, dass an Weihnachten nur Freude herrscht, wenn wir täglich jemandem eine Freude machen. Anfang Advent stand das leere Gestell des Krippchens bereit, daneben  ein Kistchen mit Holzwolle. Jeden Abend, im flackernden Licht des Adventskranzes, durften wir Kinder einen Holzspan ins Krippchen legen, wenn wir erzählen konnten, wem wir heute eine Freude bereitet hatten: Einen Freund zum Lachen gebracht, der wegen einer schlechten Note Tränen vergoss, oder der Nachbarin die Tasche getragen, oder ohne mütterliche Mahnung die Schuhe geputzt… Und wenn uns selbst einmal keine gute Tat in den Sinn kam, die einen Strohhalm wert sein könnte, da gab uns Mutter einen gnädigen Tipp, was doch gut war am Verhalten heute.

Meine kindliche Gotteserfahrung war, dass Glaube zwar etwas mit Licht und Wärme zu tun hat, aber kein selbstgefälliges Wohlgefühl ist, wie es unsere Konsumwelt an Weihnachten so inhaltleer zelebriert. Weihnachten wird es erst mit dem Tatbeweis, meinem Einsatz für den Nächsten. Das überzeugende Ritual kindlicher Besinnung im Advent hat mich gelehrt, dass es auf mich ankommt, ob es Gott an Weihnachten frieren wird in unserer Welt.  Und wenn unser kindliches Strohsammeln nicht ganz gereicht hat für ein warmes Nest, hat die Mutter nachgebessert, auch das eine wichtige Gotteserfahrung. Es kommt zwar auf meine Taten an, aber wenn meine Kräfte nicht ganz reichen, das Christkind wird trotzdem nicht frieren. Weihnachten ist ein Geschenk.

von Markus Kappeler,
Leiter rex verlag luzern

Der Samichlaus ist zu allen gut

Kolumne vom 27. November 2016

Für mich ist die wichtigste Figur in der Weihnachtszeit der Samichlaus. Es hat mir Eindruck gemacht, wie meine fünfjährige Tochter vom Samichlaus beschenkt wurde, wie er auf sie eingegangen ist und wie sie mit ihm gesprochen hat. Das hat sie sehr glücklich gemacht. Ich denke, es war nicht nur die Schokolade und das Spielzeug, das sie bekommen hat. Sie hat gespürt, dass ein Mensch von hier sie gern hat und ihr Zuwendung schenkt. Auch ich selbst habe etwas von dieser Liebe abbekommen...

In Äthiopien haben wir eine sehr alte christliche Tradition. Deshalb sind die christlichen Feste sehr wichtig. Ich bin selbst kein Christ, aber durch eine gute Nachbarin habe ich vieles miterlebt. Das höchste Fest ist in der orthodoxen Kirche in Äthiopien nicht Weihnachten, sondern Ostern. Deshalb wird es am intensivsten gefeiert. Aber auch Weihnachten hat eine grosse Bedeutung, es ist wie hier in der Schweiz ein Familienfest – und es sind auch Weihnachtsbräuche aus Europa herübergeschwappt. So hat meine Nachbarin immer einen wunderschönen Weihnachtsbaum geschmückt. Das war auch ohne Schnee sehr stimmungsvoll! Sie ging dann in einen Gottesdienst, der viele Stunden lang dauerte.

Hier in der Schweiz kommt man am Weihnachtsrummel nicht vorbei. In den Strassen und Schaufenstern ist es viel stärker sichtbar als in Äthiopien. Umso stärker spüre ich die Einsamkeit, vor allem, seit ich geschieden bin. Dann tröstet mich die Erinnerung an den gütigen Samichlaus ein wenig, und ich hoffe, dass er mir und meiner Tochter als grösstes Geschenk eine sichere und zufriedene Zukunft bringt.

von N. N.,
Sans-papier aus Äthiopien

Einfühlsam geschenkt

Kolumne vom 26. November 2016

Mein schönstes Weihnachtsfest war vor drei Jahren. Da hat mich mein Bruder – mit dem ich natürlich sonst oft streite – mit einem eigenen Weihnachtsgeschenk überrascht. Er hat nicht einfach irgendetwas gekauft, sondern sich überlegt, was mir Freude machen könnte. er hat wohl gut zugehört, was ich so gesagt habe, und dann das Richtige ausgesucht. Ich möchte nicht verraten, was das für ein Geschenk war, denn das ist etwas zwischen meinem Bruder und mir!

Ja, an Weihnachten dreht sich viel um Geschenke, und das gefällt mir. Das fängt schon in der Schule mit dem Adventskalender an. Die Lehrerin überlegt sich für jeden Tag etwas Neues, ein Spiel, eine Geschichte, ein Bild – und die ganze Klasse ist gespannt, was kommt. Auch ich denke schon jetzt darüber nach, was ich Mama, Papa und dem Bruder zu Weihnachten schenken kann. Und natürlich wissen meine Eltern schon, was ich mir wünsche. Es geht eben darum, dass wir uns gegenseitig möglichst viel Freude machen. Deshalb ist Weihnachten so ein spezieller Tag, weil das dann alle spüren.

Wenn ich überlege, warum wir uns eigentlich an Weihnachten alle etwas schenken, dann kommt mir in den Sinn, dass Jesus so etwas ist wie ein Geschenk für die Menschheit. Zuerst ist es das Kind in der Krippe, und dann wird es ein Mensch, der zeigt, wie wir gut leben können. Deshalb ist es gut, wenn wir das Fest feiern, und wenn der Weihnachtsbaum und die Lieder uns daran erinnern, dass die Jesus-Geschichte auch heute noch wichtig ist.

Gesprächsaufzeichnung: Florian Flohr

von Gabriel Schwegler,
Schüler

Weihnachten im Bus

Kolumne vom 25. November 2016

In meinem Heimatland Portugal haben wir früher immer als grosse Familie Weihnachten gefeiert. Ich kann mich erinnern, dass sogar meine Urgrossmutter noch dabei war. An Heiligabend gab es Stockfisch. Dann besuchten wir die Mitternachtsmesse. Ein grosses Erlebnis war, als ich mit sechs Jahren ein Fahrrad als Weihnachtsgeschenk erhielt.

Heute feiere ich in der Schweiz Weihnachten noch immer mit der Familie, allerdings doch eher im kleineren Kreis. Aber es gehört zur Tradition, dass sich die Familie trifft. Ich bin jeweils auch ganz besonders dankbar, dass ich mit lieben Menschen Weihnachten feiern darf. Denn es gibt so viele einsame Menschen auf der Welt, vor allem auch Kinder, die nichts zu essen haben. An sie denke ich an Weihnachten oft.

In der Adventszeit fahre ich sehr gerne mit dem Trolleybus durch Luzern. Die Stadt ist schön feierlich beleuchtet. Über die Seebrücke fährt man fast wie durch einen feinen Himmel. Ich geniesse auch die vielen Schaufensterdekorationen mit den roten, warmen Farben – eine meiner Lieblingsfarben.

Vor Weihnachten ist es oft hektisch. Im Bus merke ich dies aber nicht. Im Gegenteil. Die Fahrgäste sind an den Festtagen sehr nett, wünschen uns Busfahrern schöne Weihnachten –und manchmal schenken sie uns auch etwas Kleines, ein bisschen Schokolade zum Beispiel. Letztes Jahr kam bei einer Haltestelle ein Mann zu mir nach vorne und überreichte mir eine Flasche Wein. Ganz ungläubig fragte ich ihn, ob der Wein wirklich für mich sei. Ich kenne diesen Mann nicht. In diesem Jahr habe ich ihn ab und zu mal wieder bei mir im Bus gesehen. Und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, erinnere ich mich dankbar an die nette Geste zu Weihnachten.

von Isabel Zumbach-Reis,
Busfahrerin vbl

Wahre Werte

Kolumne vom 24. November 2016

Es ist "früher", anfangs der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich stehe mit meinem Bruder vor einem Spiegel, dieser ist mit metallenen Klammern auf Kirschbaumholz befestigt. An den Ecken abgerundet wie die Kommode, der Kleiderschrank und die Bettstatt. Wir stehen im Schlafzimmer unserer Grosseltern, bei denen wir aufwuchsen. Beide haben wir ein Béret auf dem Kopf und glauben gar nicht, was sich da spiegelt. Wir sehen weder wie Gauloises rauchende französische Bonvivants aus, noch wie baskenmützenbedeckte Schäfer aus den Pyrenäen - sondern einfach nur doof. Niemals! Niemals! Uns ist klar, dass wir diese fladenartigen Kopfbedeckungen nie und nimmer tragen werden. Weder zu den unseligen Knickerbockern, anderen alten Hosen und schon gar nicht zu den innigst gewünschten Bluejeans, von denen wir schon länger träumten. Wir haben unseren Entschluss den Grosseltern unverzüglich und unmissverständlich mitgeteilt.

Weil diese wärmenden Accessoires ein Weihnachtsgeschenk waren und mithin eine tolle Überraschung sein sollten, war die Enttäuschung beidseits natürlich gross. Nur solche albernen Tschäppis? Undankbare Buben! Die weihnächtliche Stimmung war etwa so schnell verflogen, wie in noch früheren Jahren jeweils das Christkind oder die bimmelnden Engelchen.

Diese und ähnliche Geschichten beschäftigen mich noch heute ab und zu. Denn das wahre Geschenk war ja die Liebe unserer Grosseltern, und dass sie uns bei sich aufgenommen hatten. Es brauchte aber noch viele Erlebnisse, gute wie schlechte, es brauchte Zeit und Reife, um zu dieser Erkenntnis zu kommen.

von Bruno Koch,
Geschäftsführer abl

Weihnachten abschaffen?

Kolumne vom 23. November 2016

In der Adventszeit erinnere ich mich oft an meine Jugend. Unsere Mutter ist mit uns Kindern jedes Jahr in der Adventszeit einmal abends durch die Stadt spaziert, und wir haben mit offenen Mündern und grossen Augen die Weihnachtsbeleuchtung und die hellen Schaufenster voller Geschenkvorschläge bestaunt. Wenn bei dieser Gelegenheit Luzern auch noch verschneit war, dann kannte unsere Freude keine Grenzen mehr. Auch damals war Weihnachten schon vom Konsum geprägt, aber das christliche Fest der Geburt Jesu war immer noch präsent.

Neulich hat mein Freund H. bei einem Bier sehr bestimmt für die Abschaffung von Weihnachten plädiert. "Es ist ja nur noch ein Konsumrausch, und für wen hat Weihnachten überhaupt noch einen religiösen Sinn?"

Leider hat H. weitgehend Recht! Meiner Meinung nach sollte man aber Weihnachten deswegen nicht abschaffen sondern wieder zum Leuchten bringen und unter die Menschen tragen. Ob man will oder nicht, das Christentum ist eines der Fundamente unserer europäischen Kultur. Wenn wir die christlichen Feste abschaffen, geben wir einen wichtigen Teil unserer Identität auf, und unsere Gesellschaft läuft Gefahr, noch orientierungsloser zu werden, als sie das zum Teil leider schon ist. Ohne Symbole, ohne Spiritualität verarmt der Mensch seelisch und wird eine leichte Beute für extremistische Ideologien. Auch wenn viele Christen versagen: Das Christentum lehrt Nächstenliebe und Toleranz. Weihnachten ist Christentum, es lebe die christliche Weihnacht!

von Christoph Bachmann,
Apotheker